Aktuelles
04. Mai 2018

Neuntklässler zu Gast bei EDEKA

Auch in diesem Jahr stellte sich eine Ethikgruppe dem EDEKA-Schülerwettbewerb. 

Das Thema „(Aus-)Bildung“ sollte beleuchtet werden und so machten wir uns auf, die verschiedenen Aspekte von Bildung zu erforschen. 

Wir begannen bei den BORS-Vorbereitungen und unserem Wissen aus dem EWG-Unterricht, reflektierten Praktikumserfahrungen, setzten uns mit dem Freiwilligen Sozialen bzw. Freiwilligen Ökologischen Jahr auseinander und nahmen am `Coaching 4 Future´ teil.

Im Ethikunterricht versuchten wir, die Bildungs-und Arbeitswelt anderer Länder kennen zu lernen. In vielen Regionen dieser Welt spielen menschenwürdige Arbeitsbedingungen keine Rolle. Armut, Kinderarbeit und fehlende Bildung sind Bestandteile eines Teufelskreises, aus dem die Mehrheit ohne veränderte Handelsgesetze und effektive Korruptionsbekämpfung nicht ausbrechen kann.

Jede/-r von uns schrieb einen Artikel zu unserem Thema und Frau Kopp pflegte die Artikel nach und nach in unseren Wettbewerbsblog ein.

 

Das absolute Highlight war ein Besuch bei unserem Kooperationspartner EDEKA Reinhardt, der sich bereit erklärte, unsere Fragen zu Ausbildungs-und Karrierewegen zu beantworten. Darüber hinaus überraschte er uns mit drei verschiedenen Führungen bzw. Stationen, bei denen wir Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Markts erhielten. Zwei Mitarbeiter unterstützten das Ehepaar Reinhardt und beantworteten geduldig all unsere Fragen. 

Auch fürs körperliche Wohl hatten sie gesorgt: zwischendurch durften wir uns mit Getränken, Brezeln und Süßigkeiten stärken. 

 

An diesem Tag erfuhren wir viel über Ausbildungsberufe und sogar Studiengänge, mit denen man in der Lebensmittelbranche Karriere machen kann. 

Auch der persönliche Werdegang von Herrn und Frau Reinhardt beeindruckte uns, denn

sie waren zunächst gewöhnliche Angestellte, haben sich „hochgearbeitet“ und schließlich selbständig gemacht.

 

Wenn wir zum Einkaufen gehen, ist uns meist gar nicht bewusst, welcher Aufwand hinter 

den bunt gefüllten Regalen steckt. Wir erfuhren beispielsweise, dass populäre Koch-sendungen Kunden dazu animieren, bestimmte Produkte zu kaufen. Wird im Fernsehen gerade viel mit Quinoa oder Tofu gekocht, kann es also sein, dass die Leute danach fragen. Darauf muss der Mitarbeiter, der die Waren bestellt, achten.

 

Auch die Präsentation der Waren ist wichtig. Jeder Mitarbeiter ist für sein Regal bzw. Abteilung verantwortlich und braucht auch einen Sinn dafür, die Waren ansprechend anzuordnen. Wir Kunden sind häufig gedankenlos: wir legen etwas in den Einkaufswagen, fahren ein paar Regale weiter und stellen die Ware dann in irgendein anderes Regal zurück, weil wir ein ähnliches Produkt zu geringerem Preis gefunden haben, oder weil wir zu spät merken, dass wir nicht genug Geld dabei haben.

Für die Mitarbeiter heißt das: immer wieder aufräumen!

 

An der Mülltrennstation erfuhren wir, dass der Markt für manche Folien Geld bezahlen muss (um sie entsorgen zu lassen), für andere wiederum Geld bekommen kann (weil sie als Wertstoffe gelten). Es gibt auch Pfandsysteme, z.B. bei den Kisten für Backwaren, bei Flaschen und Dosen.

Auf die Frage, ob sie auch mal Lebensmittel wegwerfen müssen, antworteten die Mitarbeiter uns, dass das schon mal vorkomme, aber längst nicht mehr in dem Maße wie früher. Generell bestellen sie lieber einmal frische Ware nach, als zu viel davon liegen zu haben, die dann eventuell schlecht wird. Außerdem arbeitet EDEKA mit den Tafelläden zusammen, so dass Produkte, die schon älter aber dennoch genießbar sind, bedürftigen Menschen zugute- kommen. Sie freuen sich auch, dass mittlerweile immer mehr Menschen wissen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Ablaufdatum ist. So wird mehr gegessen und weniger weggeworfen.

 

Für uns als Ethikgruppe waren die Aktionen zum Tierwohl und der Unterstützung regionaler Erzeuger natürlich besonders interessant. Am Beispiel der Hühnereier zeigte uns ein Mitarbeiter, wie wir als Kunden entscheiden können, ob wir uns für bessere Haltungs-bedingungen einsetzen wollen. Normalerweise werden männliche Küken in den großen Hühnerfarmen nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen können. EDEKA bietet nun Hühnereier aus Betrieben an, die ihre Eier etwas teurer verkaufen und mit dem zusätzlichen Gewinn die männlichen Küken aufziehen statt sie zu töten.

 

Um unnötig lange Transportwege zu vermeiden und so die Umwelt zu schonen, setzen die Winnender Filialen auf möglichst viele regionale Anbieter. Die Mitarbeiter erzählten uns, dass sie schon auf dem einen oder anderen Hof zur Besichtigung waren. Sie stehen voll hinter dem Konzept des Markts und arbeiten gern hier. Unser Eindruck war: die beiden meinen auch, was sie sagen.

Interessant war auch zu hören, wie im Betrieb mit Konflikten umgegangen wird. Beispielsweise, wenn zwei Mitarbeiter zur gleichen Zeit einen Tag frei haben möchten oder wenn es einmal Unstimmigkeiten gibt, weil jemand etwas „in den falschen Hals“ bekommen hat. Beide Seiten werden in Ruhe angehört und dann beratschlagt, wie man zu einer Lösung kommen kann, mit der beide leben können. Das kam unseren Streitschlichtern sehr vertraut vor - Stichwort „aktives Zuhören“!

 

Einer unserer Mitschüler erkundigte sich nach den Folgen der Baustelle an der Filiale hinter dem Bahnhof. Daraus entspann sich ein Gespräch, in dessen Verlauf deutlich wurde, dass ein Marktleiter eben auch Verantwortung als Arbeitgeber trägt. 

In Zeiten geringerer Umsätze –wie im Fall der Straßensperrung- kann das schwierig werden, denn gegen im Gegensatz zu Hochwasser oder Brandschäden kann man sich gegen Baumaßnahmen nicht versichern. Dann bekommt man keine Entschädigung für den  Gewinnausfall. Glücklicherweise musste dennoch niemand entlassen werden. 

 

Ebenfalls eine ethische Diskussion ergab sich beim Thema Ladendiebstahl. Was uns besonders verblüffte war die Aussage, dass nicht nur Jugendliche oder Kinder stehlen, sondern tatsächlich auch Erwachsene! Dabei sind wohl auch die Beweggründe unter-schiedlich. Von der Mutprobe über Armut bis hin zu Langeweile oder auch Kleptomanie 

(d.h.krankhafte Sucht, zu stehlen) reicht die Palette.

 

Auf dem Rückweg zur Schule hatten wir jedenfalls jede Menge Gesprächsstoff…

 

Herzlichen Dank nochmal an Herrn Reinhardt und sein ganzes Team!

Das war ein toller Unterricht!